Wirtschaft
Fachkräfte von morgen: Cloppenburg und Vechta führen Niedersachsen bei Ausbildungszahlen an
Die beiden Landkreise entwickeln sich zur Powerregion für berufliche Ausbildung. Mit überdurchschnittlich hohen Lehrlingszahlen und stabiler Nachfrage zeigen Cloppenburg und Vechta, wie regionale Wirtschaft funktioniert.
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Die wirtschaftliche Zukunft einer Region hängt maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, junge Menschen auszubilden und damit für den Arbeitsmarkt fit zu machen. In dieser strategisch wichtigen Frage können die Landkreise Cloppenburg und Vechta sich europaweit nicht nur sehen lassen – sie gehören deutschlandweit zu den Spitzenreitern. Eine aktuelle Analyse zeigt: Beide Regionen haben es verstanden, ihre Ausbildungslandschaft zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu entwickeln.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In den vergangenen Jahren hat sich Cloppenburg als Ausbildungsregion etabliert, die kontinuierlich junge Menschen in handwerkliche, kaufmännische und technische Berufe bringt. Die Quote der Ausbildungsplätze pro Einwohner liegt deutlich über dem niedersächsischen Durchschnitt. Parallel dazu zeigt Vechta ähnlich beeindruckende Werte. Beide Kreise konkurrieren damit nicht mit mittelgroßen Flächenländern – sie stehen international in Vergleich zu etablierten Ausbildungsregionen in der Schweiz oder Österreich.
Was macht diese beiden Landkreise so erfolgreich? Zunächst ist es die Struktur der lokalen Wirtschaft. Cloppenburg und Vechta sind geprägt von einem stabilen Mittelstand, zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen sowie einem starken handwerklichen Sektor. Diese Unternehmenslandschaft schafft von Natur aus eine hohe Nachfrage nach Nachwuchskräften. Bäckereien, Metzgereien, Landwirtschaftsbetriebe, Metallbaubetriebe und Einzelhandelsketten – überall dort entstehen regulär neue Ausbildungsplätze. Anders als in Regionen mit großen Konzernen, die Fachkräfte von außen rekrutieren, setzen die hiesigen Betriebe auf lokale Ausbildung.
Zum anderen spielt die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kammern und Betrieben eine entscheidende Rolle. Die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer sowie die regionalen Schulen haben sich auf ein gemeinsames Ziel verständigt: Möglichst viele Schulabgänger sollen eine berufliche Perspektive erhalten. Berufsorientierungsprogramme in den Schulen, Praktika bereits in der Mittelstufe und regelmäßige Ausbildungsmessen schaffen Kontakte zwischen Betrieben und Schülern, lange bevor diese in die Berufswahl einsteigen. Diese präventive Strategie verhindert, dass Schulabgänger ins Leere laufen.
Die konkreten Ausbildungszahlen unterstreichen die regionale Stärke. Während bundesweit die Quote unbesetzter Ausbildungsplätze konstant gestiegen ist, halten Cloppenburg und Vechta stabile Vermittlungsquoten. Das bedeutet: Fast alle Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchen, finden auch einen. Gleichzeitig steigt die Quote der Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten, oder hält sich stabil. Das ist bemerkenswert, denn bundesweit berichten viele Kammern von einer gegenläufigen Entwicklung – es gibt mehr freie Stellen als interessierte Bewerber.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die duale Ausbildung, die in Deutschland traditionell verankert ist, in diesen beiden Regionen aber besonders lebendig gelebt wird. Das System der Lernortkooperation – drei Tage Betrieb, zwei Tage Berufsschule – funktioniert hier besonders gut, weil die Betriebe es wertschätzen und die Schulen entsprechend ausgestattet sind. Berufsschüler aus Cloppenburg und Vechta gelten bei Arbeitgebern vieler Industriebranchen als besonders motiviert und praxisorientiert.
Die Ausbildung in Cloppenburg und Vechta umfasst dabei ein breites Spektrum. Im handwerklichen Bereich sind Berufe wie Kfz-Mechaniker, Elektroniker, Maurer und Schreiner besonders nachgefragt und werden kontinuierlich nachbesetzt. Im kaufmännischen Sektor dominieren Ausbildungen im Einzelhandel, in der Bürowirtschaft und in Spezialgebieten wie Immobilienverwaltung. Landwirtschaftliche Ausbildungen spielen angesichts der regionalen Struktur eine überproportionale Rolle. In den letzten Jahren ist auch eine wachsende Nachfrage nach Ausbildungen in den Bereichen Digitalisierung und grüne Berufe zu beobachten.
Doch die regionale Erfolgsgeschichte steht nicht ohne Herausforderungen da. Der demografische Wandel führt dazu, dass insgesamt weniger Schulabgänger die Schulen verlassen. Das bedeutet: Selbst wenn die Quote der Ausbildungsplätze stabil bleibt, könnte es in den kommenden Jahren enger werden. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Akademisierung – immer mehr Schulabgänger wählen den Weg über das Gymnasium und die Universität. Einige handwerkliche Berufe haben zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen, obwohl sie hervorragende Verdienstaussichten bieten.
Um diese Herausforderungen zu meistern, haben Cloppenburg und Vechta bereits Maßnahmen eingeleitet. Die Berufsorientierung wird an den Schulen intensiviert. Betriebe setzen verstärkt auf Digitalisierung ihrer Ausbildung – Online-Trainings und moderne Werkstätten sollen junge Menschen zusätzlich motivieren. Außerdem wird die Übernahmepraxis nach der Ausbildung forciert. Fachkräfte, die lokal ausgebildet wurden, sollen möglichst auch vor Ort arbeiten und nicht abwandern.
Blickt man auf die Perspektiven voraus, wird deutlich: Die Ausbildungsregionen Cloppenburg und Vechta haben echte Chancen, ihre Position zu behaupten und auszubauen. Eine junge, gut ausgebildete und lokal verankerte Fachkräftebasis ist der Garant für wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit. In Zeiten, in denen andere Regionen unter Fachkräftemangel leiden, zeigen diese beiden Landkreise vor, wie es geht. Das ist nicht nur für die Betriebe vor Ort ermutigend – es ist auch ein Grund für junge Menschen, ihre berufliche Zukunft hier zu sehen.
