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Geflügelpest schlägt erneut zu: Über 20.000 Puten in Cloppenburg gekeult

Im Landkreis Cloppenburg mussten rund 20.500 Puten nach einem bestätigten Geflügelpest-Ausbruch getötet werden. Die Behörden haben Schutzzonen eingerichtet und rufen alle Geflügelhalter zu erhöhter Wachsamkeit auf.

15.10.2025, 07:00·5 Min. Lesezeit·
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Quelle: Shutterstock.

Der Landkreis Cloppenburg wird erneut von einem Ausbruch der Geflügelpest erschüttert. In einem Putenmastbetrieb mussten rund 20.500 Tiere getötet werden, um eine weitere Ausbreitung der hochansteckenden Tierseuche zu verhindern. Die Nachricht trifft die Region ins Mark – denn der Landkreis Cloppenburg zählt zu den Zentren der Geflügelwirtschaft in ganz Deutschland, und ein erneuter Seuchenfall hat weitreichende Konsequenzen für Landwirte, Zulieferer und die gesamte regionale Wirtschaft.

Die Geflügelpest, auch als aviäre Influenza oder umgangssprachlich als Vogelgrippe bekannt, wurde in dem betroffenen Betrieb durch labordiagnostische Untersuchungen zweifelsfrei nachgewiesen. Wie in solchen Fällen gesetzlich vorgeschrieben, ordnete das zuständige Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg umgehend die Tötung des gesamten Tierbestandes an. Insgesamt wurden rund 20.500 Puten gekeult – ein erheblicher wirtschaftlicher Verlust für den betroffenen Betrieb, aber auch eine Maßnahme, die nach den Vorgaben des Tierseuchenrechts alternativlos ist, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die Behörden reagierten nach Bekanntwerden des Ausbruchs mit den üblichen Schutzmaßnahmen. Rund um den betroffenen Betrieb wurde eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern sowie eine erweiterte Überwachungszone mit einem Radius von zehn Kilometern eingerichtet. Innerhalb dieser Zonen gelten strenge Auflagen für alle Geflügelhalter: Transporte von lebendem Geflügel, Eiern und Geflügelprodukten sind nur unter besonderen Bedingungen und mit Genehmigung des Veterinäramtes erlaubt. Zudem müssen alle Geflügelhalter in den betroffenen Gebieten ihre Bestände dem Veterinäramt melden und verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen umsetzen.

Für den Landkreis Cloppenburg ist ein solcher Seuchenausbruch kein unbekanntes Szenario, wenngleich jeder neue Fall die Region aufs Neue vor große Herausforderungen stellt. Als einer der viehdichtesten Landkreise Deutschlands, in dem die Geflügelhaltung eine tragende Säule der landwirtschaftlichen Wertschöpfung darstellt, sind die Auswirkungen eines Geflügelpestausbruchs hier besonders gravierend. Tausende Betriebe in der Region halten Hühner, Puten, Enten oder anderes Geflügel – und jeder einzelne von ihnen muss bei einem Ausbruch in der Nachbarschaft mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

Die Geflügelpest wird durch hochpathogene aviäre Influenzaviren, meist vom Subtyp H5, verursacht. Diese Viren werden häufig durch wildlebende Wasservögel verbreitet, die das Virus über weite Strecken transportieren können, ohne selbst daran zu erkranken. Für Hausgeflügel hingegen verläuft eine Infektion in den meisten Fällen tödlich. Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass die Geflügelpest zunehmend zu einer ganzjährigen Bedrohung wird. Während die Seuche früher vor allem in den Wintermonaten auftrat, wenn Zugvögel aus ihren Brutgebieten in Nordeuropa und Sibirien nach Mitteleuropa zogen, werden mittlerweile auch in den wärmeren Monaten regelmäßig Ausbrüche registriert. Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, beobachten diese Entwicklung mit Sorge und empfehlen Geflügelhaltern dauerhafte Wachsamkeit.

Für den betroffenen Landwirt bedeutet der Verlust von 20.500 Puten einen schweren wirtschaftlichen Schlag. Zwar sieht die Tierseuchenkasse eine Entschädigung für die getöteten Tiere vor, doch deckt diese in der Regel nicht den gesamten Schaden ab. Neben dem direkten Verlust der Tiere fallen auch Kosten für die Reinigung und Desinfektion des Betriebs an, und bis eine Wiederbelegung der Ställe genehmigt wird, vergehen in der Regel mehrere Wochen bis Monate. In dieser Zeit hat der Betrieb keine Einnahmen aus der Geflügelhaltung, während die laufenden Kosten weiterlaufen. Zulieferer, Futtermittelhersteller und Schlachtbetriebe in der Region spüren die Auswirkungen ebenfalls, da die eng verzahnten Wertschöpfungsketten in der Geflügelwirtschaft durch solche Ausfälle empfindlich gestört werden.

Auch für die Verbraucher stellt sich bei einem Geflügelpestausbruch regelmäßig die Frage nach der Lebensmittelsicherheit. Hier geben die Behörden Entwarnung: Eine Übertragung des Virus auf den Menschen durch den Verzehr von ordnungsgemäß erhitztem Geflügelfleisch oder gekochten Eiern gilt nach derzeitigem Wissensstand als ausgeschlossen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont, dass bei Einhaltung der üblichen Küchenhygieneregeln kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher besteht. Dennoch sorgt die Nachricht über die Keulung von Tausenden von Tieren immer wieder für Verunsicherung in der Bevölkerung.

Die aktuelle Situation wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die grundsätzliche Debatte um die Tierhaltung in der Region. Kritiker der intensiven Geflügelwirtschaft sehen in den wiederkehrenden Seuchenausbrüchen einen Beleg dafür, dass die hohe Tierdichte im Landkreis Cloppenburg ein strukturelles Risiko darstellt. Sie fordern eine Reduzierung der Bestände und eine stärkere räumliche Entzerrung der Betriebe, um die Übertragungswege des Virus zu erschweren. Die Landwirtschaftsverbände hingegen verweisen auf die hohen Biosicherheitsstandards, die in den vergangenen Jahren deutlich verbessert worden seien, und betonen die wirtschaftliche Bedeutung der Geflügelhaltung für die Region. Der Kreislandvolkverband Cloppenburg hat in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass die Geflügelwirtschaft Tausende von Arbeitsplätzen in der Region sichere und ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor sei.

Das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg appelliert unterdessen an alle Geflügelhalter in der Region, die Biosicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten. Dazu gehören unter anderem die Absicherung der Ställe gegen das Eindringen von Wildvögeln, die regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Schuhen und Kleidung beim Betreten der Stallungen, die sichere Lagerung von Futter und Einstreu sowie die sofortige Meldung von ungewöhnlichen Krankheits- oder Todesfällen im Geflügelbestand. Auch Hobbyhalter mit nur wenigen Tieren sind ausdrücklich aufgefordert, diese Maßnahmen zu beachten, da das Virus keine Unterschiede zwischen großen Mastbetrieben und kleinen Hinterhofhaltungen macht.

Wie sich die Lage in den kommenden Tagen und Wochen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Behörden führen derzeit intensive Untersuchungen in den umliegenden Betrieben durch, um mögliche weitere Infektionen frühzeitig zu erkennen. Sollten keine weiteren Fälle auftreten, können die Restriktionszonen nach Ablauf der vorgeschriebenen Fristen und nach negativen Kontrolluntersuchungen wieder aufgehoben werden. Die Erfahrung vergangener Ausbrüche zeigt jedoch, dass die Geflügelpest unberechenbar ist und sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auf weitere Betriebe ausbreiten kann. Für den Landkreis Cloppenburg und seine Geflügelwirtschaft bleibt die Lage angespannt – und die Hoffnung, dass der aktuelle Ausbruch auf einen einzelnen Betrieb begrenzt bleibt, ist groß.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMiqAFBVV95cUxOZURqZndLWF9vSTJjLVV2T3N1Rk1EYWtYMWVmNzVxYTdReklpZW9YWUtodF90SEhPX0E3TFRMZ1ktdUhIRUFBSlpmTkxLRE9CbzlVMUxiMmwyY1hWa2JKM0ZCc0VkTEJhX2NzRmRaT2YyWEFYb0hzRUhpZmd3RzZDS1hOOG9aOGEzSndrYk9JRmhib1Z3UXNhODNrN19WWS1ubTZmTGlsYm4?oc=5&hl=en-US&gl=US&ceid=US:en

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