Cloppenburger Express

Wirtschaft

Handeln statt bangen: Wie Cloppenburg den Leerstand bekämpfen kann

Der Cloppenburger Unternehmer Rick Schouten sieht trotz der angespannten Situation mit zahlreichen leeren Geschäften und Büros ein großes Potenzial für die Stadt. Er plädiert für schnelle und konsequente Maßnahmen.

21.03.2026, 07:00·4 Min. Lesezeit·
Wirtschaft

Quelle: Shutterstock.

Die Innenstadt von Cloppenburg steht unter Druck. Immer mehr Geschäfte schließen ihre Türen, Büroflächen bleiben leer, und das Straßenbild wirkt an manchen Ecken zunehmend ausgestorben. Dies ist ein Problem, das viele Städte in Deutschland derzeit bewältigen müssen – besonders in den Bereichen Handel und Bürogewerbe. Doch es gibt auch Stimmen, die nicht aufgeben wollen. Eine dieser Stimmen ist die des Unternehmers Rick Schouten, der trotz der schwierigen Situation an die Chancen Cloppenburgs glaubt und konkrete Lösungsansätze formuliert.

Die Leerstände sind keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein strukturelles Problem, das sich über Jahre hinweg aufgebaut hat. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle: der Wandel des Einzelhandels durch den E-Commerce, die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, geänderte Arbeitswelten mit mehr Home-Office und nicht zuletzt die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Viele Unternehmen haben ihre Geschäftstätigkeiten reduziert oder völlig aufgegeben. Die Immobilienbesitzer stehen häufig vor der Herausforderung, ihre leerstehenden Flächen an den Markt angepasst vergeben zu können – zu oft führt dies jedoch zu längeren Leerstandsphasen.

Rick Schouten, der sich in der Cloppenburger Wirtschaft seit Jahren engagiert, analysiert die Situation differenziert. Er sieht nicht nur die Probleme, sondern betont gleichzeitig die vorhandenen Potenziale der Stadt. Cloppenburg habe als Hafenstadt eine historische Bedeutung, verfüge über eine etablierte Infrastruktur und ein stabiles Handwerkerviertel. Diese Grundlagen seien wertvoll und könnten zum Ausgangspunkt von neuen Entwicklungen werden. Es gehe nicht darum, alles beim Alten zu lassen, sondern darum, die Stadt bewusst weiterzuentwickeln und dabei vorhandene Stärken zu nutzen.

Ein wesentlicher Ansatzpunkt liegt in der Neugestaltung des Einzelhandels. Während traditionelle Einzelhandelsflächen unter Druck stehen, entstehen anderswo neue Formen des Shoppings: Pop-up-Stores, Erlebnis-Einzelhandel und Fachgeschäfte mit spezialisiertem Angebot. Schouten sieht gerade in dieser Transformation eine Chance für Cloppenburg. Statt zu versuchen, den Einzelhandel von gestern zu bewahren, sollte die Stadt aktiv gestalten, welche neuen Formate Raum bekommen. Dies könnte bedeuten, dass Flächen flexibel für zeitlich begrenzte Konzepte vergeben werden, dass Start-ups und junge Unternehmer unterstützt werden, oder dass Kulturveranstaltungen und Märkte die Innenstadt beleben.

Die Büroflächen-Problematik erfordert gleichfalls ein Umdenken. Immer mehr Unternehmen arbeiten mit flexiblen Modellen, bei denen nur noch ein Teil der Belegschaft regelmäßig ins Büro kommt. Das bedeutet für Immobilienbesitzer, dass sie ihre Bürogebäude umgestalten müssen: weg von reinen Arbeitsplatzflächen, hin zu modernen, vernetzten Spaces mit Konferenzräumen, Entsprechungszonen und flexiblen Lofts. Auch eine stärkere Nutzungsmischung wäre denkbar – Büros im Erdgeschoss, Wohnungen in den oberen Etagen, Restaurants und Cafés in den Zwischenräumen.

Dabei spielt auch die Politik eine Rolle, betont Schouten. Die Stadt Cloppenburg könne durch gezielte Anreize Investitionen auslösen: Steuererleichterungen für Renovierungen, schnellere Genehmigungsverfahren, Unterstützung bei der Umstrukturierung von Liegenschaften oder auch Bürgschaftsprogramme für Neuansiedler. Darüber hinaus sei eine klare Strategie erforderlich, in welche Bereiche die Stadt sich entwickeln soll. Soll Cloppenburg zum Beispiel verstärkt auf kulturelle Angebote setzen? Auf spezialisierte Handwerksbetriebe? Auf Gastronomie und Tourismusangebote? Eine solche Strategie würde Investoren Orientierung geben und könnte gezielt neue Unternehmer anziehen.

Schouten sieht auch großes Potenzial in der Vernetzung von lokalen Akteuren. Wenn Einzelhandelsverbände, Handwerkskammern, Gastronomen, Kulturschaffende und die Stadtverwaltung zusammenarbeiten, entstehen Synergien. Gemeinsame Marketingkampagnen, koordinierte Events oder integrierte Konzepte für Immobilien könnten helfen, die Innenstadt als lebendig und attraktiv zu bewahren oder wiederherzustellen. Besonders wichtig sei es, junge Menschen und Familien zurück in die Innenstadt zu bringen – durch flexible Wohnungsangebote, kulturelle Events, gutes Gastronomie- und Einzelhandelsangebot sowie sichere und saubere Plätze.

Zugleich betont Schouten, dass es keine schnellen Lösungen gebe. Die Umstrukturierung von innerstädtischen Bereichen sei ein Prozess, der Jahre dauern kann. Allerdings spare man sich viel Zeit und Geld, wenn man heute beginnt, strukturiert vorzugehen, statt reaktiv auf Probleme zu reagieren. Manche Städte hätten vorgemacht, dass es möglich ist: Bremen oder Oldenburg haben in den vergangenen Jahren ihre Innenstädte erfolgreich revitalisiert, indem sie bewusst in neue Konzepte investierten und auch Risiken eingingen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Digitalisierung. Nicht um den E-Commerce zu verstärken, sondern um lokale Wirtschaft besser sichtbar zu machen. Ein digitales Verzeichnis lokaler Unternehmen, Online-Buchungssysteme für Dienstleistungen, oder digitale Stadtführer könnten Kunden helfen, das Angebot in Cloppenburg zu entdecken. Gleichzeitig könnten soziale Medien und lokale Plattformen dazu dienen, Community-Gefühl zu schaffen und Events zu bewerbern.

Letztendlich geht es Schouten um Zuversicht und Handlungsfähigkeit. Die Leerstände sind ein sichtbares Zeichen von Herausforderungen, doch nicht von Hoffnungslosigkeit. Cloppenburg habe die Ressourcen, die Infrastruktur und die Menschen, um einen neuen Weg zu gehen. Es brauche aber den Willen, mutig zu denken, schnell zu handeln und dabei alle relevanten Akteure einzubinden. Nur so kann aus einem Problem eine Chance werden.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMiwgFBVV95cUxPMEp3cWtaVXh3ay00SHI3VlFfanBFSE4yeDY4c1hvdlNRd01jeTRqcm9NWlBIWXNvTW1vd1diTDZobElzcFM4SDVRWng3UEZhTGttQTdRT3RibjVuNXUyenNDbmphMzN0akdvbEhIS19pUjRXbWxHZ3ZkUmF3Wko4d29INU40SGMxbXp4WENlWlpDVjM1bkVVRmRBb1JuSng1NlY0cVJMMmtaVVI2Ul9fZ1pJS1Q1MWxILVQ5UVRUZS1hQQ?oc=5&hl=en-US&gl=US&ceid=US:en

Kommentare (0)

Sei der Erste, der kommentiert.

Anmelden um zu kommentieren.

BreakingImmer aktuell – Nachrichten aus dem Landkreis Cloppenburg
Mehr Nachrichten →