Cloppenburger Express

Politik

Kommunalpolitik weiblich besetzt: Kreis Cloppenburg startet Kampagne für mehr Frauen in Räten und Ausschüssen

Der Landkreis Cloppenburg will gezielt mehr Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen. Ein neues Projekt soll Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass politisches Engagement in den lokalen Gremien für alle offen ist.

05.02.2026, 08:00·4 Min. Lesezeit·
Politik

Quelle: Shutterstock.

Die Kommunalpolitik im Landkreis Cloppenburg ist noch immer männerdominiert. Das ist die unbequeme Realität, der sich nun die Verantwortlichen aktiv entgegenstellen möchten. Mit einem gezielten Programm sollen mehr Frauen dazu bewegt werden, Verantwortung in Gemeinde- und Stadträten sowie in den verschiedenen Ausschüssen zu übernehmen. Das Projekt adressiert ein Problem, das nicht nur in Cloppenburg, sondern in vielen Regionen Niedersachsens anzutreffen ist: Der Frauenanteil in den kommunalen Gremien hinkt deutlich hinter dem gesellschaftlichen Anspruch von Parität hinterher.

Wie aus dem aktuellen Bericht hervorgeht, liegt der Frauenanteil in den Gemeinderäten und Stadträten des Landkreises Cloppenburg derzeit bei etwa 30 bis 35 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass zwei Drittel bis siebzig Prozent der Ratsmitglieder männlich sind – ein Verhältnis, das die Bevölkerungsstruktur nicht widerspiegelt und zudem wichtige weibliche Perspektiven in der Entscheidungsfindung unterrepräsentiert. Experten und Politikwissenschaftler verweisen darauf, dass diverse Gremien zu besseren Entscheidungen führen und die Legitimität von Kommunalpolitik erhöhen. Frauen bringen nicht nur andere Prioritäten mit, sondern auch verschiedene Erfahrungen und Lebensentwürfe in die politischen Diskussionen ein.

Die Initiatorinnen und Initiatoren des neuen Projekts haben erkannt, dass es nicht an Interesse oder Qualifikation von Frauen mangelt, sondern vielmehr an Zugängen und an der Überwindung psychologischer Barrieren. Viele Frauen trauen sich nicht zu, in den politischen Räten aktiv zu werden, oder sie wissen gar nicht, wie sie einen solchen Weg einschlagen können. Gleichzeitig spielen familiäre Verpflichtungen und berufliche Belastungen eine Rolle – Faktoren, die durch bessere Informationen und Unterstützungsstrukturen reduziert werden können.

Das Programm verfolgt mehrere Ansätze gleichzeitig. Zum einen sollen Informationsveranstaltungen in den verschiedenen Städten und Gemeinden des Landkreises zeigen, wie Kommunalpolitik funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt, sich zu engagieren. Diese Veranstaltungen richten sich speziell an Frauen, aber auch an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen demystifizieren, was oft als unerreichbar oder kompliziert wahrgenommen wird. Vertreterinnen und Vertreter aus bestehenden Räten werden authentische Einblicke geben und zeigen, dass Kommunalpolitik keine Hexerei ist, sondern Arbeit, die Menschen mit Leidenschaft und Sachverstand leisten können.

Zum anderen werden Mentoring-Programme aufgebaut, die Frauen mit bereits etablierten Politikerinnen zusammenbringen. Solche Beziehungen können unschätzbares Wissen über die praktische Seite politischer Arbeit vermitteln – von organisatorischen Fragen bis hin zu Tipps, wie man sich in oft männerdominierten Diskussionsrunden durchsetzt. Diese Form der Unterstützung senkt Eintrittsbarrieren erheblich und schafft emotionale Sicherheit für den Einstieg ins politische Engagement.

Ein dritter Baustein besteht darin, dass Parteien und kommunale Organisationen direkt zur Rechenschaft gezogen werden – transparent und nachvollziehbar. Durch regelmäßiges Monitoring soll sichtbar gemacht werden, in welcher Kommune sich die Frauenquote verbessert und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Diese Transparenz erzeugt gesunden Druck und macht es weniger einfach für Parteien, Frauen einfach zu übersehen. Gleichzeitig können Best-Practice-Beispiele aus der Region dazu inspirieren, dass andere Kommunen nachziehen.

Darüber hinaus wird auch die Frage der zeitlichen und familiären Flexibilität adressiert. Wenn Ratssitzungen zu ungünstigen Zeiten stattfinden oder Kinderbetreuung während Sitzungen nicht gewährleistet ist, wird das zum Hindernis. Das Projekt setzt hier an und arbeitet mit den Kommunen daran, ihre Strukturen familienfreundlicher zu gestalten. Das ist kein Nischenthema – es geht um die Vereinbarkeit von Kommunalpolitik mit alltäglichen Herausforderungen.

Experten betonen, dass solche gezielten Maßnahmen notwendig sind, um Geschlechtergerechtigkeit nicht nur als abstraktes Ziel zu verfolgen, sondern konkrete Realität zu schaffen. Der Blick auf andere deutsche Regionen zeigt: Wo solche Programme konsequent umgesetzt werden, steigen die Frauenquoten spürbar an. Innerhalb von zwei bis drei Jahren können Steigerungen von fünf bis zehn Prozentpunkten erreicht werden, wenn die Maßnahmen kombiniert und kontinuierlich umgesetzt werden.

Für den Landkreis Cloppenburg ergibt sich eine historische Chance. Die kommenden Kommunalwahlen und die regelmäßigen Nachrückungen in den Räten bieten Gelegenheiten, den Kurs zu ändern. Wenn es gelingt, mehr Frauen zur Kandidatur zu bewegen und sie erfolgreich in die Räte zu bringen, wird das nicht nur die Repräsentation verbessern – es wird auch das Vertrauen in Kommunalpolitik insgesamt stärken und zeigen, dass diese Ebene für alle offen und relevant ist.

Die Verantwortlichen des Projekts sind optimistisch, dass die Zeit für solche Veränderungen reif ist. Die Gesellschaft hat sich gewandelt, junge Frauen erwarten selbstverständlich Zugang zu Positionen der Mitsprache und Mitbestimmung. Nun gilt es, die institutionellen Strukturen und die Mentalitäten entsprechend anzupassen. Der Anfang ist mit diesem Projekt in Cloppenburg gemacht – es bleibt zu hoffen, dass er nicht der einzige ist, sondern dass weitere Schritte folgen werden.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMi8AFBVV95cUxQWi1Fcmh2YVo2VHlGUXdwTjlXSzIzUHdPSFFacEVHdml4Q0YwVXktVjVwamVHb3JCazNldlpKSVBLcHVBRGRTSHVLeElaQkZKWGR2UnFzNHBmVzNsc0ZuTzhwWXZlZVNjZlhZOUktcEJlVUxKdWdiRUtQLVk2OWVSSGUyZDRNYWhfdndGaGxHZGxjQ2Q0V0ViaWRJOHctN3VHd05XVEQ4UHRCdU9hRkZxMFo0M3dYRUhhM09iemlFbVRVX3lZeFZtQ0R3aGhmLUVHem1MMTVIWG8zMlptLVl3aHlPRHhlZjZIM092NERPQks?oc=5&hl=en-US&gl=US&ceid=US:en

Kommentare (0)

Sei der Erste, der kommentiert.

Anmelden um zu kommentieren.

BreakingImmer aktuell – Nachrichten aus dem Landkreis Cloppenburg
Mehr Nachrichten →