Wirtschaft
Modehaus mit Cloppenburg im Namen: Peek & Cloppenburg stellt sich mit neuer Führungsposition strategisch neu auf
Das Modehaus Peek & Cloppenburg, dessen Name eng mit der Kreisstadt verbunden ist, schafft erstmals eine eigene Führungsposition für politische Kommunikation und Unternehmensangelegenheiten. Tim Funke soll künftig die Interessen des Handelskonzerns gegenüber Politik und Öffentlichkeit vertreten.
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Das traditionsreiche Modeunternehmen Peek & Cloppenburg, dessen Name seit Generationen untrennbar mit der Stadt Cloppenburg verbunden ist, hat eine wichtige personelle Weichenstellung vorgenommen. Mit der Berufung von Tim Funke in die neu geschaffene Position für Public & Corporate Affairs signalisiert das Unternehmen, dass es seine politische und gesellschaftliche Kommunikation auf eine neue, professionellere Ebene heben will. Eine Entscheidung, die auch im Landkreis Cloppenburg aufmerksam registriert wird – schließlich trägt der Handelskonzern den Namen der Kreisstadt in die ganze Welt.
Die Schaffung einer eigenständigen Stelle für Public & Corporate Affairs ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Peek & Cloppenburg die Bedeutung strategischer Unternehmenskommunikation und politischer Interessenvertretung in Zeiten wachsender regulatorischer Herausforderungen erkannt hat. Tim Funke übernimmt damit eine Rolle, die es in dieser Form bisher bei dem Modehaus nicht gegeben hat. Er soll künftig die Schnittstelle zwischen dem Unternehmen, der Politik und der Öffentlichkeit gestalten und die Interessen des Handelskonzerns gegenüber Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel vertreten.
Für den Landkreis Cloppenburg hat der Name Peek & Cloppenburg seit jeher eine besondere Bedeutung. Das Unternehmen wurde im Jahr 1900 in der niedersächsischen Kreisstadt gegründet, als Johann Peek und Heinrich Cloppenburg dort ihr erstes Geschäft eröffneten. Was als kleine Herrenausstattung begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Modehäuser Deutschlands und darüber hinaus. Auch wenn die Unternehmenszentrale längst nicht mehr in der Kreisstadt angesiedelt ist, bleibt der Name Cloppenburg durch die Marke weltweit präsent – ein Umstand, auf den viele Bürgerinnen und Bürger der Region durchaus stolz sind.
Die Entscheidung, eine dedizierte Position für Public & Corporate Affairs zu schaffen, kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der stationäre Einzelhandel in Deutschland vor enormen Herausforderungen steht. Die Modebranche sieht sich mit einem tiefgreifenden Strukturwandel konfrontiert: Der Onlinehandel hat die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher fundamental verändert, steigende Miet- und Energiekosten belasten die Filialen, und zunehmende regulatorische Anforderungen – etwa im Bereich Nachhaltigkeit, Lieferkettengesetz und Verbraucherschutz – erfordern eine professionelle Begleitung auf politischer Ebene.
Gerade das im Jahr 2023 in Kraft getretene Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sowie die europäische Nachhaltigkeitsrichtlinie CSRD stellen Unternehmen wie Peek & Cloppenburg vor komplexe Compliance-Aufgaben. Ein Modehaus mit internationalen Lieferketten muss sicherstellen, dass in der gesamten Wertschöpfungskette Menschenrechts- und Umweltstandards eingehalten werden. Die politische Interessenvertretung gewinnt in diesem Zusammenhang massiv an Bedeutung, da die Ausgestaltung solcher Regularien oft über die wirtschaftliche Tragfähigkeit ganzer Geschäftsmodelle entscheidet.
Die Rolle von Public Affairs – also der systematischen Pflege von Beziehungen zu politischen Entscheidungsträgern und der strategischen Positionierung eines Unternehmens im öffentlichen Diskurs – hat in der deutschen Unternehmenslandschaft in den vergangenen Jahren deutlich an Gewicht gewonnen. Während große Konzerne aus der Industrie und dem Technologiesektor schon lange über eigene Abteilungen für Regierungsbeziehungen verfügen, ziehen Unternehmen aus dem Handel und der Modebranche zunehmend nach. Peek & Cloppenburg reiht sich mit der Neubesetzung in diesen Trend ein und unterstreicht damit den Anspruch, nicht nur als Modehändler, sondern auch als politisch relevanter Akteur wahrgenommen zu werden.
Für Tim Funke bedeutet die Berufung in diese neu geschaffene Position eine vielseitige Aufgabe. Als Verantwortlicher für Public & Corporate Affairs wird er voraussichtlich sowohl die externe Kommunikation des Unternehmens mit politischen Stakeholdern als auch die interne Positionierung zu gesellschaftlich relevanten Themen koordinieren müssen. Dazu gehört die Vertretung des Unternehmens in Branchenverbänden ebenso wie der direkte Dialog mit Ministerien, Abgeordneten und kommunalen Entscheidungsträgern. Auch die Positionierung des Unternehmens zu Themen wie Innenstadtentwicklung, Sonntagsöffnungszeiten oder Handelsförderung dürfte zu seinem Aufgabenbereich gehören.
Die Personalie ist auch deshalb bemerkenswert, weil Peek & Cloppenburg in den vergangenen Jahren durch turbulente Zeiten gegangen ist. Die beiden historisch gewachsenen Unternehmenslinien – die Düsseldorfer und die Hamburger Linie – operieren seit jeher getrennt voneinander, was immer wieder zu Verwirrung bei Kunden und in der Öffentlichkeit geführt hat. Die Düsseldorfer Linie, die unter anderem die Marke "Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf" führt, musste im Jahr 2023 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen der Pandemiejahre, veränderte Konsumgewohnheiten und der harte Wettbewerb im Modehandel hatten dem Unternehmen erheblich zugesetzt. Umso wichtiger erscheint es nun, dass das Unternehmen seine Kommunikation nach außen professionalisiert und mit einer klaren Stimme in der öffentlichen Debatte auftritt.
Aus Sicht des Landkreises Cloppenburg ist die Entwicklung des Namensvetters aus der Modewelt immer auch ein Stück Lokalgeschichte. Auch wenn die operativen Verbindungen zwischen dem Unternehmen und der Kreisstadt heute gering sind, bleibt die historische Verbindung bestehen. In der Cloppenburg Stadtgeschichte nimmt die Gründung des Modehauses einen festen Platz ein, und der Name der Stadt wird durch das Unternehmen täglich millionenfach gelesen – auf Einkaufstüten, Fassaden und in Onlineshops. Diese besondere Verbindung macht Nachrichten aus dem Hause Peek & Cloppenburg auch für die Menschen in der Region relevant.
Die strategische Neuaufstellung im Bereich Public & Corporate Affairs könnte für Peek & Cloppenburg ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück zu alter Stärke sein. In einer Zeit, in der politische Rahmenbedingungen den Einzelhandel stärker denn je beeinflussen, ist eine professionelle Interessenvertretung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Ob es um die Zukunft der Innenstädte geht, um faire Wettbewerbsbedingungen zwischen stationärem und Onlinehandel oder um die Umsetzung europäischer Nachhaltigkeitsstandards – Peek & Cloppenburg will offenbar künftig aktiver mitgestalten, statt nur zu reagieren. Tim Funke steht nun vor der Aufgabe, diesen Anspruch mit Leben zu füllen.
