Cloppenburger Express
Lokales

Mut im Widerstand: Wie ein Cloppenburger den einzigen katholischen Verlag der DDR aufbaute

Heinrich Wienken aus Cloppenburg gelang das Unmögliche: Er erkämpfte sich in der atheistischen DDR Raum für einen katholischen Verlag. Seine Geschichte ist eine Lektion über Beharrlichkeit und Glaubenskraft.

von Yvonne

28.08.2026, 15:08·4 Min. Lesezeit·
Mut im Widerstand: Wie ein Cloppenburger den einzigen katholischen Verlag der DDR aufbaute

Symbolbild, KI-generiert.

Die Geschichte von Heinrich Wienken ist eine Geschichte des Mutes und der Beharrlichkeit. Der Cloppenburger, dessen Name heute vielen nicht mehr gegenwärtig ist, errang in einem Unrechtsstaat ein beachtliches Privileg: Die Gründung und Leitung des einzigen katholischen Verlags der Deutschen Demokratischen Republik. In einer Zeit, in der religiöse Gemeinschaften vielerorts verfolgt wurden und der Staat Glaube als Opium des Volkes betrachtete, gelang Wienken das scheinbar Unmögliche.

Die DDR war ein Staat, der sich ausdrücklich als atheistisch verstand. Die Staatsideologie des Marxismus-Leninismus sah in der Religion ein Überbleibsel der kapitalistischen Vergangenheit, das überwunden werden musste. Doch während die Kirchen auf subtile und offene Weise unter Druck gesetzt wurden, existierte parallel ein Netzwerk von Gläubigen, die ihre Überzeugungen nicht aufgeben wollten. Heinrich Wienken erkannte die Notwendigkeit, diesen Menschen ein Medium zur Verfügung zu stellen – und handelte entsprechend.

Wienken stammte aus Cloppenburg, jener historischen Hochburg des Katholizismus im Oldenburger Land. Die Gegend war geprägt durch jahrhundertealte kirchliche Traditionen und eine tiefe Verwurzelung im Glauben. Diese Heimat prägte Wienken und seinen Werdegang entscheidend. Mit dieser Prägung begab sich der gebürtige Cloppenburger später in die DDR, wo er sich eine Aufgabe von enormem Umfang vornahm: die Etablierung eines Verlags für katholische Literatur in einem System, das genau dies eigentlich verhindern sollte.

Die Gründung dieses Verlags war kein einfacher administrativer Akt. Sie erforderte Verhandlungen auf höchster Ebene, persönliche Risikobereitschaft und ein tiefes Vertrauen in die eigene Sache. Wienken musste Wege finden, die strengen ideologischen Kontrollmechanismen der SED-Diktatur zu navigieren. Er argumentierte mit Überzeugungskraft, brachte diplomatisches Geschick ein und nutzte vermutlich auch Netzwerke, die ihm zur Verfügung standen. Die genauen Mechanismen seiner Verhandlungen sind heute oft nur fragmentarisch überliefert, doch die Tatsache selbst ist beeindruckend: Es gelang ihm.

Der Verlag, den Wienken aufbaute, war mehr als nur ein Unternehmen zur Produktion von Büchern. Er war ein kulturelles und spirituelles Zentrum für die katholische Minderheit in der DDR. In einer Gesellschaft, die Religion verdrängen wollte, bot dieser Verlag einen Ort der Kontinuität und des Widerstands. Hier konnten theologische Werke gedruckt werden, liturgische Texte erhalten bleiben, und die geistige Tradition des Katholizismus konnte bewahrt und weitergegeben werden. Das war revolutionär im besten Sinne des Wortes – eine Revolution der Beständigkeit gegen den ideologischen Druck.

Die Existenz dieses Verlags bedeutete auch praktische Vorteile für die Kirche. Während anderswo in der DDR religiöse Publikationen nur im Untergrund oder mit großem Risiko zirkulierten, konnte hier ein legales, wenn auch prekäres Fundament geschaffen werden. Mitarbeiter des Verlags konnten offen tätig sein, Lieferungen konnten erfolgen, und die Kontinuität war gesichert. Das ist kein kleines Verdienst in einem Unrechtsstaat.

Heinrich Wienken arbeitete dabei in einer Zeit der Spannungen und Widersprüche. Die DDR der Nachkriegszeit war geprägt von der Herausbildung einer neuen politischen Ordnung. In dieser Phase gab es manchmal unerwartet kleine Spielräume, die schnell genutzt werden mussten. Wienken erkannte diese Möglichkeit und handelte. Seine Entscheidung, nach Osten zu gehen und dort als Katalysator für diese Entwicklung zu wirken, war mutig und zukunftsorientiert.

Doch Wienken war nicht nur Verleger, sondern auch ein Mann des Vertrauens. Um in dieser Position tätig zu sein, musste er die Akzeptanz verschiedener Seiten gewinnen: der Kirche, die ihn brauchte, der DDR-Behörden, die sein Bestehen tolerierten, und nicht zuletzt der Gläubigen, die auf seine Integrität und Zuverlässigkeit angewiesen waren. Diese Balance zu halten, erforderte intellektuelle und charakterliche Qualitäten, die nicht jedem gegeben sind.

Die Bedeutung von Wienkens Wirken wird besonders deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass dies der einzige katholische Verlag in der gesamten DDR war. Es gab keinen anderen Ort, wo katholische Verleger und Schriftsteller arbeiten konnten, wo Werke der katholischen Tradition gedruckt wurden. Alle katholischen Aktivitäten in diesem Bereich konzentrierten sich auf diese eine Institution. Das machte Wienken zu einer Schlüsselfigur nicht nur für Cloppenburg, sondern für die gesamte katholische Kirche in der DDR.

Heute, Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung, ist die Erinnerung an solche Persönlichkeiten wichtig. Heinrich Wienken steht exemplarisch für die vielen Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen ihre Überzeugungen bewahrt haben und aktiv dafür tätig wurden. Seine Geschichte zeigt, dass Einzelne durchaus Großes bewirken können, wenn sie mit Mut, Geduld und klarem Ziel vorgehen. Cloppenburg darf stolz sein auf diesen Sohn der Stadt, der im Osten Deutschlands ein Stück geistiger Freiheit erkämpfte und damit vielen Menschen half, ihren Glauben zu leben und zu bewahren.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMi1wFBVV95cUxQdUFEeWw3UGhqQlVqNDU1aEZZSjhjQ05fQk9pV3VyeUFKZHBZWElHYWY4THdrRUF3LUhsMHFrMjVLSThxYkVZSDNlM0g2bUVzRkFTN2JuSW1jREJCQjNRMDdTUm1iQlF4WnE0Q0tiVkhmQnpobnd1Tlo5X0cwWlNweEN6dGZfZUcwejh4Y0xQS3pzTlA2dFVPVGFLVmIta1VCUk9xcmpGT1RYY3NUX1QwdW1rbzA5TkIwck84WUY3U3Yxd01JYVNnUGl1YVNvb3FvTUZnMlNrQQ?oc=5&ucbcb=1&hl=de&gl=DE&ceid=DE:de

Kommentare (0)

Sei der Erste, der kommentiert.

Anmelden um zu kommentieren.

Cloppenburger Express

Täglich aktuell aus dem Landkreis Cloppenburg

Alle Nachrichten →