Cloppenburger Express
Lokales

Naturschutz mit Wolle und Hörnern: Emstek setzt Ziegen als Landschaftspfleger ein

Die Gemeinde Emstek vertraut auf eine ungewöhnliche Lösung für die Instandhaltung ihrer Regenrückhaltebecken: Ziegen sollen künftig das Gelände pflegen. Das Projekt verbindet Effizienz mit Nachhaltigkeit.

von Yvonne

11.09.2026, 11:43·4 Min. Lesezeit·
Naturschutz mit Wolle und Hörnern: Emstek setzt Ziegen als Landschaftspfleger ein

Symbolbild, KI-generiert.

Emstek hat sich für ein innovatives und zugleich bewährtes Verfahren entschieden, um die Grünflächenpflege an seinen Regenrückhaltebecken ökologisch sinnvoll zu gestalten. Statt auf herkömmliche Pflegemaßnahmen zu setzen, nutzt die Gemeinde nun gezielt Ziegen als natürliche Landschaftspfleger. Dieses Konzept verspricht nicht nur Kosteneffizienz, sondern trägt auch zum Naturschutz bei und reduziert den Einsatz von Maschinen.

Regenrückhaltebecken sind wichtige Infrastruktureinrichtungen in modernen Siedlungsgebieten. Sie fangen Starkregen ab und verhindern durch ihre Speicherfunktion Überschwemmungen in bewohnten Bereichen. Allerdings erfordern diese Becken regelmäßige Wartung und Pflege, um ihre Funktionstüchtigkeit zu bewahren. Die Böschungen und Grünflächen rund um solche Becken müssen kontinuierlich von Bewuchs befreit werden, damit die Infrastruktur nicht beeinträchtigt wird. Bislang erfolgte diese Pflegemaßnahme zumeist durch den Einsatz von Rasenmähern und Freischneider, was Zeit, Kosten und Emissionen mit sich bringt.

Mit der Einführung der Ziegenherde in Emstek findet ein Paradigmenwechsel statt. Die Tiere sind bekannt dafür, eine Vielzahl von Pflanzenarten zu fressen und dabei besonders gründlich vorzugehen. Sie vertilgen Gras, Laub und sogar holzige Gewächse, die sie erreichbar haben. Durch ihr natürliches Weideverhalten halten die Ziegen Flächen offen und strukturiert, ohne dabei Emissionen zu verursachen oder die Bodenqualität zu schädigen. Ganz im Gegenteil: Der Dung der Tiere trägt sogar zur Bodenverbesserung bei und fördert die Biodiversität in den Grünflächen.

Das Projekt in Emstek ist Teil eines bundesweiten Trends, bei dem Kommunen verstärkt auf tiergestützte Landschaftspflege setzen. Zahlreiche Städte und Gemeinden in Deutschland haben in den vergangenen Jahren erkannt, dass diese Methode nicht nur ökonomische Vorteile mit sich bringt, sondern auch im Sinne der Nachhaltigkeit und des Tierschutzes attraktiv ist. Ziegen, Schafe und andere Weidetiere werden zunehmend systematisch eingesetzt, um Grünflächen, Böschungen und Naturschutzgebiete zu pflegen – sei es an Flussufern, auf Deichen oder eben an Regenrückhaltebecken.

Für die Emsteker Bürger könnte das Projekt zusätzlich einen Mehrwert bieten: Der Anblick von grasenden Ziegen trägt zu einer gewissen Idylle im Landschaftsbild bei und könnte die Naturverbundenheit stärken. Insbesondere Familien mit Kindern könnten von solchen Projekten profitieren, da die Tierhaltung für pädagogische Zwecke genutzt werden kann und Umweltbewusstsein fördert.

Aus technischer Sicht müssen für ein solches Projekt bestimmte Vorkehrungen getroffen werden. Die Regenrückhaltebecken müssen mit geeignetem Zaun- und Sicherungssystemen ausgestattet sein, damit die Ziegen das Areal nicht verlassen und die Öffentlichkeit nicht gefährdet wird. Zudem ist eine regelmäßige Betreuung durch sachkundiges Personal notwendig – sowohl für die Tierhaltung als auch für die Überwachung des Pflegeerfolgs. Die Gemeinde Emstek muss daher mit erfahrenen Tierhältern oder spezialisierten Unternehmen kooperieren, um das Projekt erfolgreich umzusetzen.

Die finanzielle Bilanz dieser Maßnahme dürfte ebenfalls positiv ausfallen. Während die Anschaffung und anfängliche Ausrüstung mit Kosten verbunden ist, reduzieren sich die laufenden Betriebsausgaben erheblich, da Maschinenarbeit wegfällt. Wartungs- und Treibstoffkosten für Rasenmäher entfallen, und auch die Personalaufwände für traditionelle Mäharbeiten sinken. Die Ziegen benötigen vornehmlich Futter und regelmäßige Kontrolle – ein Aufwand, der deutlich unter dem liegt, was regelmäßige Pflegemaßnahmen mit Maschinen kosten würden.

Am weiteren Erfolg dieses Pilotprojekts zeigt sich, wie traditionelle Lösungen in modernen Zeiten eine Renaissance erleben. Die Verwendung von Weidetieren zur Flächenpflege ist keine Erfindung der Gegenwart, sondern eine uralte Methode, die lange Zeit in Vergessenheit geriet. Durch die wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und die Notwendigkeit, kommunale Budgets sparsamer einzusetzen, besinnt man sich vielerorts auf diese bewährten Praktiken zurück.

Für die Gemeinde Emstek bedeutet dieser Schritt eine klare Positionierung: Die Kommune zeigt Engagement für innovative Lösungen im Bereich Infrastrukturpflege und Naturschutz. Sie könnte damit auch für andere Kommunen in der Region ein Vorbild werden. Sollte das Projekt wie geplant funktionieren und die Ziegen ihre Aufgabe erfolgreich erfüllen, ist davon auszugehen, dass andere Gemeinden im Landkreis Cloppenburg nachziehen werden.

Zusamenfassend lässt sich sagen: Das Emsteker Modell der Ziegenhaltung zur Pflege von Regenrückhaltebecken verbindet Pragmatismus mit Nachhaltigkeit. Es spart Ressourcen, reduziert CO₂-Emissionen, fördert die Biodiversität und schafft gleichzeitig ein ansprechenderes Landschaftsbild. Damit zeigt Emstek, dass zukunftsweisende Lösungen nicht immer technisch komplex sein müssen – manchmal reicht der Blick in die Vergangenheit aus, um die Gegenwart besser zu gestalten.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMi0AFBVV95cUxQQnFqU2ROQUNIU3JMUy1pczdTanlDWXlGeEF1R1FXSk9VQXZLbTh6SEZOTGdIVGltemYxTDN2RGozd1hkMDdFMVFZR0Vzd1pmRThSc3ZMXzVzYmRjb1hqQ1A5cS1QSWVscEh4MG9SNVcxa2tBNEpEM1BqTWlNUmU3OFBQejdMWFhES1pGR1g4b3VxVFFod2tyaEM1clNQOE45UEZWNlhodnQ4RHVra0hoQl84bktHcUlDakJhMm5tY29MektzZ2VoRy1NZlVJNE1W?oc=5&ucbcb=1&hl=de&gl=DE&ceid=DE:de

Kommentare (0)

Sei der Erste, der kommentiert.

Anmelden um zu kommentieren.

Cloppenburger Express

Täglich aktuell aus dem Landkreis Cloppenburg

Alle Nachrichten →