Notunterkunft in Hannover: Wie Obdachlose und Drogenabhängige unter katastrophalen Bedingungen leben
Ein ehemaliges Kaufhaus in Hannover ist zur Notunterkunft für sozial benachteiligte Menschen geworden. Berichte deuten auf unhygienische Zustände und mangelnde Betreuung hin.
von Yvonne
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Das Peek-&-Cloppenburg-Haus in Hannover hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Symbol für die Herausforderungen der städtischen Obdachlosenhilfe entwickelt. Das ehemalige Kaufhaus, das sich in zentraler Lage der niedersächsischen Landeshauptstadt befindet, beherbergt derzeit Hunderte von Menschen ohne festen Wohnort und mit Substanzabhängigkeitserkrankungen. Doch die Bedingungen, unter denen diese Personen dort untergebracht sind, zeichnen einem kürzlich bekannt gewordenen Bericht zufolge ein erschreckendes Bild von Verwahrlosung und Vernachlässigung.
Die sozialen Dienste Hannovers sehen sich mit einem beispiellosen Ansturm auf ihre Kapazitäten konfrontiert. Das Kaufhaus wurde in Ermangelung von Alternativen zur Notunterkunft umfunktioniert. Ursprünglich als temporäre Lösung konzipiert, entwickelte sich die Einrichtung zu einer dauerhaften Anlaufstelle für Menschen in existenziellen Notlagen. Die Verwaltung der Stadt Hannover bestätigt, dass die Unterkunft einen großen Teil der wohnungslosen Bevölkerung aufnimmt, kann aber mit den gestiegenen Anforderungen an Hygiene, Betreuung und Sicherheit nicht ausreichend Schritt halten.
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Sozialarbeitern berichten von Zuständen, die ans Unmögliche grenzen. In den Räumlichkeiten des früheren Einzelhandelsgebäudes herrsche ein Mangel an grundlegenden sanitären Einrichtungen. Die Kapazitäten seien chronisch überbelegt, eine angemessene Reinigung finde nur sporadisch statt. Besonders problematisch ist die Situation für Menschen mit multiplen Problemen: Während viele der Bewohner unter Drogen- oder Alkoholvergiftung leiden, fehlt es an fachkundigem Personal, das diesen Personen eine spezialisierte Betreuung bietet. Die Folge ist ein Kreislauf aus Mangelverwaltung und menschlicher Degradation.
Fachleute weisen darauf hin, dass solche Unterkunftssituationen nicht nur für die Bewohner selbst schädlich sind, sondern auch ein erhebliches Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen. Ansteckungskrankheiten, Unterernährung und psychische Belastungen sind häufig anzutreffende Phänomene in solchen Einrichtungen. Die städtische Gesundheitsbehörde hat zwar mehrere Inspektionen durchgeführt, doch die empfohlenen Maßnahmen werden aufgrund mangelnder Finanzierung nur schleppend umgesetzt. Ein Sprecher der Stadt Hannover erklärt auf Nachfrage, dass die Situation tatsächlich angespannt sei, man aber an Lösungen arbeite.
Die Ursachen für diese dramatische Situation sind vielfältig und tiefgreifend. Die Wohnungskrise in den deutschen Großstädten hat zu einer Verdopplung der Obdachlosenzahlen in den vergangenen zehn Jahren geführt. Gleichzeitig ist die Drogenabhängigenproblematik in urbanen Zentren gewachsen. Viele Menschen landen in dieser Notunterkunft, weil sie zwischen die Risse des sozialen Sicherungssystems gefallen sind. Ein Drittel der Bewohner verfügt über gar keine Sozialversicherungspapiere, Hälfte leidet unter diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Die Kombination dieser Faktoren macht es nahezu unmöglich, schnelle Lösungen zu finden.
Die Stadt Hannover hat erkannt, dass eine nachhaltige Lösung notwendig ist. Pläne für den Bau von zusätzlichen betreuten Wohneinheiten sind in Arbeit, allerdings bewegen sie sich im Schneckentempo voran. Ein städtisches Projekt zielt darauf ab, bis zum Ende des kommenden Jahres 150 neue Plätze in dezentralisierten, kleineren Unterkünften zu schaffen. Auch die Zusammenarbeit mit privaten Wohnungsunternehmen und gemeinnützigen Organisationen wird intensiviert. Experten betonen jedoch, dass diese Maßnahmen bei weitem nicht ausreichend sein werden, um das Ausmaß des Problems zu bewältigen.
Sozialarbeiter und Hilfsorganisationen kritisieren zudem, dass die reine Unterkunftsversorgung ohne begleitende therapeutische und medizinische Unterstützung wenig effektiv ist. Ein ganzheitlicher Ansatz, der auch Suchtberatung, psychologische Betreuung und Job-Coaching einbezieht, sei notwendig, um Menschen aus dieser Situation herauszuholen. Das Projekt "Housing First", das in skandinavischen Ländern erfolgreich umgesetzt wurde, könnte als Vorbild dienen. Es basiert auf dem Gedanken, dass der erste Schritt aus der Obdachlosigkeit ein eigenes Dach über dem Kopf sein muss, begleitet von umfassender Unterstützung.
Auch die Zustände im Peek-&-Cloppenburg-Haus werfen Fragen zur Verantwortung auf. Wer trägt die Verantwortung für diese Missstände? Die Stadt verweist auf mangelnde finanzielle Mittel, die Bundesregierung auf kommunale Zuständigkeiten. Inzwischen haben sich auch Mediziner zu Wort gemeldet und warnen vor Epidemien. Die Deutsche Aids-Hilfe und andere Organisationen fordern eine Taskforce, die schnelle, unbürokratische Lösungen herbeiführen soll.
Für die Menschen in der Notunterkunft bedeuten diese Debatten wenig im Alltag. Sie kämpfen mit unmittelbaren Problemen: Mangelnde Hygiene, Hunger, Kälte und die Angst vor Gewalt in den überbelegten Räumen. Viele von ihnen haben ihre Hoffnung aufgegeben. Sozialarbeiter berichten von zunehmender Resignation unter den Bewohnern. Eine Rückkehr in ein normales Leben scheint für viele unvorstellbar geworden.
Die Situation in Hannover ist ein warnendes Beispiel für andere große Städte in Deutschland. Experten befürchten, dass sich die Zustände in den kommenden Jahren noch verschärfen werden, wenn nicht massive Investitionen in Wohnungsbau, Sozialarbeit und Suchtbehandlung getätigt werden. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig. Das Peek-&-Cloppenburg-Haus steht symbolisch für einen Gesellschaftszustand, der nicht länger zu ertragen ist.
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