Wirtschaft
Peek & Cloppenburg eröffnet Outlet in Ulm: Was der Wandel in der Innenstadt für den Einzelhandel bedeutet
In Ulm zieht ein Peek & Cloppenburg-Outlet in die Räume des ehemaligen Traditionshauses Abt ein. Der Fall steht exemplarisch für den Strukturwandel im stationären Einzelhandel – eine Entwicklung, die auch den Landkreis Cloppenburg betrifft.
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Die Ulmer Innenstadt steht vor einem bemerkenswerten Wandel: An der Stelle, an der über Jahrzehnte das traditionsreiche Modehaus Abt seine Kunden empfing, soll künftig ein Outlet-Store von Peek & Cloppenburg einziehen. Die Nachricht sorgt weit über die Donaustadt hinaus für Aufsehen – denn sie steht exemplarisch für den tiefgreifenden Strukturwandel, der den stationären Einzelhandel in deutschen Innenstädten erfasst hat. Auch für Beobachter im Landkreis Cloppenburg ist die Entwicklung interessant, nicht zuletzt wegen der Namensähnlichkeit: Die Modekette Peek & Cloppenburg hat trotz des Namensbestandteils "Cloppenburg" ihren Ursprung nicht im niedersächsischen Landkreis, sondern geht auf die Gründer Johann Peek und Heinrich Cloppenburg zurück, die das Unternehmen 1900 in Rotterdam ins Leben riefen.
Das Modehaus Abt galt in Ulm lange als Institution. Generationen von Kundinnen und Kunden kauften dort ihre Kleidung, das Geschäft war ein fester Anker in der Einkaufslandschaft der schwäbischen Großstadt. Doch wie so viele inhabergeführte Modehäuser in Deutschland geriet auch Abt in den vergangenen Jahren unter massiven wirtschaftlichen Druck. Die Kombination aus verändertem Konsumverhalten, dem wachsenden Onlinehandel und den Nachwirkungen der Corona-Pandemie machte dem Traditionshaus schwer zu schaffen. Das Ende kam für viele überraschend – und hinterließ eine große Lücke in der Ulmer Innenstadt.
Nun also Peek & Cloppenburg – allerdings nicht mit einem klassischen Vollsortiment-Modehaus, sondern in Form eines Outlet-Stores. Dieses Konzept setzt auf den Verkauf von Markenware aus vergangenen Kollektionen zu deutlich reduzierten Preisen. Für Peek & Cloppenburg ist das Outlet-Format ein vergleichsweise neuer Geschäftszweig, mit dem das Unternehmen auf die veränderten Marktbedingungen reagiert. Statt auf hochpreisige Beratung und exklusive Sortimente zu setzen, lockt das Outlet-Modell preisbewusste Kundschaft an, die dennoch Wert auf bekannte Markennamen legt.
Die Entscheidung für ein Outlet-Format in einer prominenten Innenstadtlage wie Ulm ist dabei durchaus bemerkenswert. Üblicherweise finden sich Outlet-Stores eher in eigens dafür geschaffenen Centern am Stadtrand oder in speziellen Outlet-Villages, wie sie etwa in Zweibrücken, Ingolstadt oder Wertheim existieren. Dass Peek & Cloppenburg dieses Konzept nun direkt in eine gewachsene Fußgängerzone bringt, kann als Signal gewertet werden: Die klassischen Geschäftsmodelle des innerstädtischen Einzelhandels funktionieren vielerorts nicht mehr in ihrer bisherigen Form. Neue Konzepte müssen her, um Ladenflächen überhaupt noch wirtschaftlich betreiben zu können.
Der Fall Ulm reiht sich ein in eine bundesweite Entwicklung, die auch im Nordwesten Niedersachsens aufmerksam verfolgt wird. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Traditionshäuser in deutschen Mittel- und Großstädten aufgegeben. Galeria Karstadt Kaufhof – einst der größte Warenhauskonzern Europas – durchlief mehrere Insolvenzverfahren und schloss dutzende Filialen. Auch mittelständische Modehäuser, die jahrzehntelang das Rückgrat vieler Innenstädte bildeten, mussten reihenweise aufgeben. Die Gründe sind komplex: Der Onlinehandel hat Marktanteile in bisher ungekanntem Ausmaß abgezogen, die Pandemie beschleunigte diesen Trend zusätzlich, und steigende Mieten sowie Energiekosten setzten den verbliebenen Geschäften weiter zu.
Für die Innenstädte bedeutet dieser Wandel eine fundamentale Herausforderung. Leerstehende Großflächen wirken abschreckend auf Passanten und können eine Abwärtsspirale in Gang setzen: Weniger Geschäfte führen zu weniger Laufkundschaft, was wiederum die verbliebenen Händler unter Druck setzt. Stadtplaner und Wirtschaftsförderer in ganz Deutschland suchen daher händeringend nach Lösungen, um Innenstädte attraktiv zu halten. Dabei rücken Konzepte wie eine stärkere Mischnutzung – also die Kombination von Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen und Kultur – zunehmend in den Fokus.
Auch im Landkreis Cloppenburg sind die Auswirkungen des Strukturwandels im Einzelhandel spürbar, wenngleich die Situation in ländlichen Räumen ihre eigene Dynamik aufweist. Die Kreisstadt Cloppenburg hat in den vergangenen Jahren verschiedene Anstrengungen unternommen, um ihre Innenstadt lebendig zu halten. Veranstaltungen, Aktionswochen und gezielte Wirtschaftsförderung sollen dafür sorgen, dass die Geschäftslage attraktiv bleibt. Dennoch bleibt die Konkurrenz durch den Onlinehandel und durch großflächige Einkaufszentren in der weiteren Region eine ständige Herausforderung für die lokalen Händler.
Die Nachricht aus Ulm wirft auch die Frage auf, ob das Outlet-Konzept ein zukunftsfähiges Modell für innerstädtische Großflächen sein kann. Befürworter argumentieren, dass ein Outlet-Store immerhin Kundenfrequenz generiert und eine ansonsten leerstehende Fläche belebt. Zudem könnte das Angebot reduzierter Markenware gerade in Zeiten hoher Inflation zusätzliche Kaufanreize schaffen. Kritiker hingegen befürchten, dass Outlet-Stores das Preisniveau in der gesamten Innenstadt unter Druck setzen und reguläre Modehändler, die ihre Ware zum vollen Preis anbieten, zusätzlich in Bedrängnis bringen könnten. Auch die Frage der Wertigkeit steht im Raum: Wird eine Innenstadt, die zunehmend von Outlet-Angeboten geprägt ist, langfristig als attraktiver Einkaufsstandort wahrgenommen?
Peek & Cloppenburg selbst befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung. Das Unternehmen – wobei zwischen der Düsseldorfer und der Hamburger Gesellschaft unterschieden werden muss, die trotz des gleichen Namens wirtschaftlich und rechtlich voneinander unabhängig sind – stand in den vergangenen Jahren ebenfalls vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Düsseldorfer Peek & Cloppenburg KG musste 2023 Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden, konnte das Verfahren jedoch abschließen und das Unternehmen sanieren. Die Expansion in das Outlet-Segment kann in diesem Zusammenhang als Diversifizierungsstrategie verstanden werden, mit der das Unternehmen neue Kundengruppen erschließen und vorhandene Warenbestände effizienter verwerten will.
Für die Stadt Ulm bedeutet die Ansiedlung des Peek & Cloppenburg-Outlets zunächst eine positive Nachricht: Eine prominente Ladenfläche, die nach dem Ende von Abt leer zu stehen drohte, wird wieder mit Leben gefüllt. Ob das Konzept langfristig funktioniert und ob es tatsächlich positive Impulse für die gesamte Innenstadt setzen kann, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Erfahrung zeigt, dass der Erfolg solcher Konzepte stark von der jeweiligen Standortdynamik, dem Einzugsgebiet und der Akzeptanz durch die lokale Kundschaft abhängt.
Der Blick nach Ulm lohnt sich also auch für Kommunalpolitiker, Wirtschaftsförderer und Einzelhändler im Landkreis Cloppenburg. Die Fragen, die sich dort stellen, sind letztlich dieselben wie überall: Wie können Innenstädte im Zeitalter des Onlinehandels lebendig bleiben? Welche Geschäftsmodelle haben Zukunft? Und wie lässt sich der Spagat zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und städtebaulicher Qualität meistern? Die Antworten darauf werden in den kommenden Jahren maßgeblich darüber entscheiden, wie attraktiv die Zentren unserer Städte und Gemeinden bleiben – in Ulm ebenso wie in Cloppenburg.
