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Schweinestall wird zur Energiefabrik: Löninger Betrieb setzt auf innovative Speichertechnologie

Ein Landwirt aus Löningen wandelt seinen Schweinestall in einen modernen Energiespeicher um. Das Projekt zeigt, wie traditionelle Landwirtschaft und Energiewende zusammenpassen können.

05.10.2025, 07:00·4 Min. Lesezeit·
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Quelle: Shutterstock.

Die Energiewende im ländlichen Raum nimmt in der Region Cloppenburg konkrete Gestalt an. In Löningen hat ein innovativer Landwirt sein bisheriges Geschäftsmodell radikal umgestellt: Aus einem bestehenden Schweinestall wird ein hochmoderner Energiespeicher. Das Projekt verdeutlicht eindrucksvoll, wie Betriebe des klassischen Agrarsektors sich neu erfinden können – nicht gegen die Landwirtschaft, sondern als Ergänzung und Weiterentwicklung derselben.

Das Konzept ist dabei nicht ganz neu, gewinnt aber in Zeiten der Klimakrise und des massiven Ausbaus erneuerbarer Energieträger zunehmend an Bedeutung. Der Landwirt nutzt die vorhandene Infrastruktur des Stalles intelligent weiter. Anstelle von Tieren werden dort künftig große Mengen an Energie gespeichert – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Der Betrieb sichert seine wirtschaftliche Zukunft, die Region gewinnt an Energiesicherheit, und die Umwelt profitiert von einer saubereren Stromversorgung.

Die Umnutzung ist vor dem Hintergrund einer grundlegenden Strukturveränderung in der deutschen Landwirtschaft zu verstehen. Der Druck auf konventionelle Schweinehalter ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Verschärfte Tierschutzstandards, volatile Fütterungskosten, schwankende Fleischpreise und nicht zuletzt intensive öffentliche Debatten über Massentierhaltung haben viele Betriebe in existenzielle Krisen gestürzt. Für diesen Löninger Landwirt war die Umstellung ein logischer Schritt – eine Chance, den Betrieb zukunftsfähig zu machen.

Energiespeicher dieser Art funktionieren nach dem Prinzip der thermischen oder elektrochemischen Speicherung. Die genaue technische Ausgestaltung des Löninger Projekts basiert auf modernen Batteriesystemen oder ähnlichen Speichertechnologien, die Strom puffern können. Dies ist eine zentrale Anforderung der Energiewende: Während Solar- und Windkraftanlagen volatil Energie produzieren – also stark schwankende Mengen je nach Wetter und Jahreszeit – benötigen Stromnetze und Verbraucher konstante Verfügbarkeit. Genau diese Lücke füllen Speicherlösungen.

Die Relevanz solcher Projekte für den ländlichen Raum kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele Regionen Niedersachsens, insbesondere das Oldenburger Münsterland und der Landkreis Cloppenburg, sind bereits heute Hotspots für Wind- und Solarenergie. Zahlreiche Windparks prägen das Landschaftsbild, und die Zahl der Photovoltaikanlagen auf Bauernhöfen wächst stetig. Ohne entsprechende Speicherkapazitäten können diese Anlagen ihr volles Potenzial jedoch nicht ausschöpfen. Überschüssiger Strom muss abgeregelt werden – eine wirtschaftliche und ökologische Verschwendung.

Der Landwirt aus Löningen zeigt damit auch anderen Betrieben einen möglichen Weg auf. Besonders für Höfe, die aus der Schweinehaltung aussteigen möchten oder müssen, könnte dieses Modell attraktiv sein. Die Flächenausstattung ist häufig vorhanden, die Gebäudesubstanz oft solide. Mit entsprechenden Förderprogrammen und technischer Unterstützung könnten solche Umnutzungen zu einem verbreiteten Phänomen werden. Erste Gespräche mit anderen Betrieben und Interessenten sollen bereits angelaufen sein.

Auch wirtschaftlich macht die Rechnung Sinn. Betreiber von Energiespeichern können durch sogenannte Netzdienstleistungen Einnahmen generieren. Das heißt konkret: Sie werden dafür bezahlt, dass sie Strom speichern und zu bestimmten Zeiten wieder ins Netz einspeisen – wenn der Bedarf besonders hoch ist und die Preise entsprechend steigen. Zusätzlich gibt es verschiedene Förderungsmöglichkeiten auf Bundes- und Länderebene für solche innovativen Projekte. Das Gesamtpaket kann für einen Landwirtschaftsbetrieb durchaus mit den Gewinnen aus konventioneller Tierhaltung konkurrieren.

Die lokalen Behörden und Politiker haben das Projekt wohlwollend begleitet. Die Genehmigung durch die zuständigen Ämter hat zwar ihre Zeit gebraucht – Umnutzungen von landwirtschaftlichen Gebäuden sind nicht trivial in der Planung – doch letztendlich wurde ein Weg gefunden, alle Anforderungen zu erfüllen. Das spricht für eine pragmatische und zukunftsorientierte Haltung in der regionalen Verwaltung.

Die Realisierung des Projekts erfordert erhebliche Investitionen. Die genauen Kosten hängen von der Größe und Art des Speichers ab. Moderne Batteriespeichersysteme sind in den vergangenen Jahren erheblich günstiger geworden, sind aber immer noch eine bedeutsame finanzielle Verpflichtung. Hier spielen staatliche Förderprogramme eine wichtige Rolle, um solche Investitionen für Landwirte tragbar zu machen. Die Europäische Union, der Bund und das Land Niedersachsen haben entsprechende Mittel bereitgestellt.

Das Projekt in Löningen ist auch ein Symbol für den notwendigen Strukturwandel im ländlichen Raum. Die Landwirtschaft wird sich verändern müssen – nicht nur in ihrer Produktionsweise, sondern auch in ihrer wirtschaftlichen Grundstruktur. Betriebe, die sich frühzeitig neu positionieren und dabei die Chancen der Energiewende nutzen, können langfristig erfolgreich sein. Dies ist nicht nur für den einzelnen Betrieb von Vorteil, sondern stärkt auch die regionale Wirtschaft insgesamt und trägt zu den Klimazielen bei.

Wie sich die Geschichte des Löninger Landwirts und seines Energiespeichers weiter entwickelt, wird mit Interesse verfolgt. Sollte das Projekt wirtschaftlich erfolgreich sein, könnte es Schule machen – nicht nur im Landkreis Cloppenburg, sondern in ganz Niedersachsen und darüber hinaus.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMixAFBVV95cUxNY0JmV2RBWHdYU2M1djl4cGI0cTZVdzhLTjNnbTBRVkJpUEZKWlg0TG9RV1VjRzNXYjB2YnJlRFF1NlFUcHZHUHAwSWhaalVSY09qa25oZl9mUHlDbk91ZkFMLTJEcWlHYnhjR3dVVGhTX1BWYnoyWHhyUldaSnRPQ18yNnFmazlYcjVJNGFGV3YwZFI4bDVfTVBfNTBDdk9ySlZFNG1EbEJHRVQ5SWNJU2RwQ09HTXg2YlBQb25UX1hxVlM0?oc=5&hl=en-US&gl=US&ceid=US:en

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