Wirtschaft
Wie Cloppenburg dem Ladensterben in der Innenstadt entgegenwirken will
Die Cloppenburger Innenstadt kämpft mit Leerständen und dem Wandel im Einzelhandel. Doch die Kreisstadt setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, um dem Geschäftesterben aktiv entgegenzuwirken.
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Die Kreisstadt Cloppenburg steht vor einer Herausforderung, die viele Mittelzentren in Deutschland teilen: Leerstände in der Innenstadt nehmen zu, traditionsreiche Geschäfte schließen ihre Türen, und das Einkaufsverhalten der Bevölkerung verändert sich rasant. Doch anders als vielerorts wird in Cloppenburg nicht nur lamentiert – die Stadt versucht aktiv gegenzusteuern. Mit einem Bündel an Maßnahmen, strategischen Überlegungen und dem Engagement verschiedener Akteure soll die Innenstadt wieder attraktiver werden.
Das sogenannte Geschäftesterben ist kein rein Cloppenburger Phänomen. Bundesweit kämpfen Innenstädte mit den Folgen des boomenden Onlinehandels, veränderter Konsumgewohnheiten und steigender Mietkosten. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) hat der stationäre Einzelhandel in den vergangenen Jahren massiv an Marktanteilen verloren. Der Onlinehandel wächst kontinuierlich und macht mittlerweile einen erheblichen Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz aus. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, die viele kleinere Geschäfte in existenzielle Nöte gebracht hat. Auch steigende Energiekosten und die allgemeine Inflation belasten den stationären Handel erheblich.
In Cloppenburg zeigt sich dieses Phänomen besonders deutlich an der einen oder anderen leeren Schaufensterfront in der Fußgängerzone und den angrenzenden Straßen. Wo einst inhabergeführte Fachgeschäfte zum Bummeln einluden, klaffen heute Lücken im Stadtbild. Für eine Stadt, die sich traditionell als lebendiges Einkaufszentrum der Region versteht, ist das ein alarmierendes Signal. Die Cloppenburger Innenstadt war lange Zeit ein Magnet für Kunden aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus – diese Anziehungskraft droht zu schwinden, wenn nicht gegengesteuert wird.
Doch die Verantwortlichen in der Kreisstadt wollen sich diesem Trend nicht kampflos ergeben. Stadtverwaltung, Politik und lokale Wirtschaftsakteure arbeiten an verschiedenen Ansätzen, um die Innenstadt zukunftsfähig zu machen. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, einzelne Ladenlokale neu zu besetzen. Vielmehr wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt insgesamt steigern soll. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt: Eine Innenstadt, die ausschließlich auf den Einzelhandel setzt, wird langfristig nicht bestehen können. Es braucht einen Mix aus Handel, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Wohnen.
Ein wesentlicher Baustein dieser Strategie ist die aktive Gestaltung und Belebung des öffentlichen Raums. Die Stadt Cloppenburg investiert in die Aufwertung der Fußgängerzone und angrenzender Bereiche. Attraktive Plätze, Grünflächen und Verweilmöglichkeiten sollen dafür sorgen, dass Menschen nicht nur zum Einkaufen in die Innenstadt kommen, sondern auch, um Zeit dort zu verbringen. Veranstaltungen, Märkte und kulturelle Angebote ergänzen dieses Konzept und sollen regelmäßig für Frequenz sorgen. Das Ziel ist klar: Die Innenstadt soll ein Ort der Begegnung sein, nicht nur eine Aneinanderreihung von Geschäften.
Auch das Thema Immobilienmanagement rückt stärker in den Fokus. In vielen Städten scheitert die Neubelegung leerstehender Ladenlokale an überzogenen Mietvorstellungen der Eigentümer oder an der mangelnden Bereitschaft, in die Modernisierung von Gebäuden zu investieren. In Cloppenburg wird versucht, Eigentümer und potenzielle Mieter zusammenzubringen und kreative Lösungen zu finden. Temporäre Nutzungen wie Pop-up-Stores, Ausstellungsflächen oder Co-Working-Spaces können Leerstände zumindest übergangsweise füllen und gleichzeitig neue Impulse setzen. Solche Zwischennutzungskonzepte haben sich in anderen Städten bereits bewährt und könnten auch in Cloppenburg ein wichtiger Mosaikstein sein.
Die Rolle der Digitalisierung wird ebenfalls erkannt. Lokale Händler werden ermutigt, ihre Angebote auch online sichtbar zu machen und digitale Vertriebskanäle zu nutzen, ohne dabei den stationären Handel aufzugeben. Das Konzept der sogenannten "hybriden Innenstadt" – also der Verzahnung von Online- und Offline-Angeboten – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Kunden sollen die Möglichkeit haben, sich online über das Angebot lokaler Geschäfte zu informieren und dann gezielt vor Ort einzukaufen. Eine stärkere digitale Präsenz der Cloppenburger Innenstadt könnte dazu beitragen, verlorene Kundschaft zurückzugewinnen.
Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung der Erreichbarkeit. Eine Innenstadt, die schwer erreichbar ist oder in der das Parken zum Ärgernis wird, verliert Kunden an die Einkaufszentren auf der grünen Wiese oder eben an den Onlinehandel. In Cloppenburg wird daher auch über Verbesserungen bei der Verkehrsführung und dem Parkraumanagement nachgedacht. Die Balance zwischen einer autofreundlichen Erreichbarkeit und einer fußgängerfreundlichen, lebenswerten Innenstadt ist dabei eine der größten Herausforderungen. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr spielt eine Rolle, wenngleich diese im ländlichen Raum naturgemäß schwieriger zu realisieren ist als in Ballungsgebieten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. In Cloppenburg gibt es ein Netzwerk aus Stadtverwaltung, Wirtschaftsförderung, Gewerbevereinen und engagierten Bürgern, die gemeinsam an der Zukunft der Innenstadt arbeiten. Diese Kooperation ist entscheidend, denn die Belebung einer Innenstadt kann nicht allein von der öffentlichen Hand geleistet werden. Es braucht das Engagement der Geschäftsleute, der Gastronomen, der Immobilieneigentümer und nicht zuletzt der Bürgerinnen und Bürger, die ihre Innenstadt als lebendigen Treffpunkt schätzen und nutzen.
Der Blick auf andere vergleichbare Städte in Niedersachsen und darüber hinaus zeigt, dass diejenigen Kommunen am erfolgreichsten sind, die frühzeitig und entschlossen handeln. Städte, die nur abwarten und auf eine Trendumkehr hoffen, verlieren den Anschluss. Cloppenburg scheint diesen Fehler vermeiden zu wollen. Die Kreisstadt hat erkannt, dass die Transformation der Innenstadt kein Sprint, sondern ein Marathon ist – ein Prozess, der Jahre dauern wird und kontinuierliches Engagement erfordert. Dabei gibt es keine Patentlösung, die von heute auf morgen alle Probleme löst. Vielmehr ist es die Summe vieler kleiner und großer Maßnahmen, die am Ende den Unterschied machen kann.
Letztlich entscheiden aber auch die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Cloppenburg mit ihrem Einkaufsverhalten über die Zukunft der Innenstadt. Jeder Einkauf vor Ort, jeder Besuch eines lokalen Geschäfts ist ein Beitrag zur Belebung der City. Wenn Cloppenburg es schafft, die Innenstadt als attraktiven, lebendigen und vielfältigen Ort zu positionieren, dann besteht durchaus Grund zur Hoffnung, dass das Geschäftesterben gestoppt und umgekehrt werden kann. Die Kreisstadt steht jedenfalls nicht plan- und tatenlos da – und das ist in diesen Zeiten des Umbruchs bereits ein wichtiges Signal.
