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Pflege in Cloppenburg: Expertin gibt Familien praktische Ratschläge für den Alltag

Eine Fachfrau erklärt, worauf Angehörige von Pflegebedürftigen achten sollten und welche Unterstützungsmöglichkeiten es im Landkreis Cloppenburg gibt.

18.07.2025, 07:00·4 Min. Lesezeit·
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Quelle: Shutterstock.

Die Pflege von Angehörigen stellt Familien im Landkreis Cloppenburg vor immer größere Herausforderungen. Während die Bevölkerung altert und die Zahl pflegebedürftiger Menschen stetig anwächst, müssen viele Haushalte lernen, mit dieser neuen Verantwortung umzugehen. Eine Expertin aus der Pflegeberatung hat jetzt konkrete Empfehlungen für Familien zusammengestellt, die ihre Angehörigen zu Hause versorgen möchten oder müssen.

Die Situation in unserer Region ist dabei keine Ausnahme: Der demografische Wandel führt bundesweit dazu, dass immer mehr Menschen lange leben, aber gleichzeitig auch länger mit Einschränkungen ihrer Gesundheit leben. Im Landkreis Cloppenburg zeigt sich dieser Trend besonders deutlich. Viele Familien sind plötzlich mit der Situation konfrontiert, dass ein Elternteil oder nahes Familienmmitglied Pflege benötigt – oft ohne ausreichende Vorbereitung oder Kenntnisse darüber, wie man diese Aufgabe bewältigt.

Die Expertin betont zunächst die Wichtigkeit einer frühzeitigen Planung. Familien sollten bereits handeln, bevor eine akute Pflegebedürftigkeit eintritt. Dies bedeutet, offene Gespräche mit älteren Angehörigen zu führen und deren Wünsche und Vorstellungen zur Versorgung im Alter zu verstehen. "Viele Konflikte entstehen, weil diese Gespräche zu spät oder gar nicht geführt werden", erklärt die Fachfrau. Sie empfiehlt, bereits in der Phase der Gesundheit und Selbstständigkeit Vorsorgedokumente wie Vollmachten und Patientenverfügungen zu erstellen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die umfassende Information über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten. Viele Familien wissen nicht, welche Leistungen die Pflegeversicherung übernimmt oder welche weiteren Zuschüsse es gibt. Die Pflegekasse zahlt Leistungen je nach Pflegegrad: Für Pflegegrad eins beispielsweise erhält man monatlich bis zu 125 Euro Pflegegeld, während Pflegegrad zwei bis zu 316 Euro monatlich bedeutet. Bei Pflegegrad drei steigt die Unterstützung auf bis zu 545 Euro, Pflegegrad vier auf bis zu 728 Euro und die höchste Stufe, Pflegegrad fünf, ermöglicht Zahlungen bis zu 901 Euro im Monat. Zusätzlich gibt es sachliche Leistungen wie Pflegemittel oder Haushaltshilfen, deren Kosten übernommen werden können.

Die Expertin rät dringend, sich beraten zu lassen, bevor man Anträge auf Pflegeleistungen stellt. Der Landkreis Cloppenburg bietet kostenlose Pflegeberatung an, die vielen Bürgern noch unbekannt ist. Diese Beratungsstellen helfen dabei, den richtigen Pflegegrad zu beantragen, alternative Betreuungsformen zu finden und finanzielle Hilfen optimal zu nutzen. "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Pflegekasse nicht automatisch eingreift – man muss aktiv werden und einen Antrag stellen", erklärt die Fachfrau.

Besonders wichtig ist auch die psychische Belastung anzusprechen, die Pflegende Familie erfährt. Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines nahestehenden Menschen kann zu extremer Überlastung führen. Die Expertin empfiehlt daher, regelmäßige Auszeiten zu nehmen und professionelle Unterstützung zu nutzen. Es gibt spezialisierte Tagespflegen im Landkreis Cloppenburg, die es ermöglichen, dass pflegebedürftige Personen mehrere Stunden täglich professionell betreut werden, während die Angehörigen arbeiten oder sich ausruhen können. Auch Kurzzeitpflegeplätze sind wichtig, um Zeit für sich selbst zu gewinnen.

Ein oft übersehener Aspekt ist die Prävention und Rehabilitation. Die Expertin betont, dass Bewegungstherapie, Ergotherapie und Logopädie nicht nur Luxus sind, sondern oft essentiell für den Erhalt der Fähigkeiten. Die Krankenkasse übernimmt viele dieser Therapien, wenn sie medizinisch notwendig sind. Familien sollten sich nicht scheuen, diese anzufordern.

Auch die Wohnungsausstattung spielt eine entscheidende Rolle. Moderne Hilfsmittel wie Treppenlifte, Badewannenlift oder spezielle Pflegebetten können nicht nur Verletzungen vermeiden, sondern auch die Arbeit für pflegende Angehörige erleichtern. Ein Großteil dieser Anschaffungen wird von der Krankenkasse bezuschusst oder sogar vollständig erstattet, wenn ein Rezept vom Arzt vorliegt.

Die Expertin warnt auch vor der Isolation, in die viele pflegende Angehörige verfallen. Der Kontakt zu anderen in ähnlichen Situationen, sei es in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren, kann emotional entlastend wirken und wertvolle praktische Tipps vermitteln. Im Landkreis Cloppenburg gibt es mehrere solcher Gruppen, die regelmäßig zusammenkommen.

Abschließend betont die Fachfrau, dass es kein Versagen bedeutet, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil: Die beste Pflege entsteht oft aus einer Kombination von familiärer Fürsorge und professioneller Unterstützung. Wer früh plant, sich informiert und Hilfe annimmt, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass sowohl der pflegebedürftige Mensch als auch die Angehörigen eine gute Lebensqualität bewahren.

Quelle: https://news.google.com/rss/articles/CBMi0gFBVV95cUxNanIySTMybmlYR3M0ZkdTTXJUMmZqNW5CTG1WRjhYM1ppMDlaQ25IaTZCZ2NFVExPclh1eGFXVnJPWDRzTWNZZGVKTUNuazlxYnV5eW5QY3Nhb2N0S3lJcmI2MlNELUtWLVFRSWRPV3ZfVjJfTVptS01VTC1zc1o4M0pYc01weEt6M0hobEp1R3ViQlQ5QlpWZzk4dlhyYkJHS3BYelZWc2dMWGNqeUNZbkFhRGFNa2hzY1l3TW9WV2lrRnBnQXQzSFFfM2phekozMVE?oc=5&hl=en-US&gl=US&ceid=US:en

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